Die Insel Blewth

Das Königreich Kroth ist ein fruchtbares Land, dessen Mittelpunkt die Hauptstadt Gald ist.
Auch die athalische Inselgruppe gehört zum Lebensraum der Menschen. Eine dieser Inseln ist sogar der Stolz des Königreiches: die Insel Blewth.
Hier werden die berühmten Sprouts ausgebildet, jene Soldaten, die in den Raccukriegen das Reich vor den Dämonen bewahrt haben.
Nibra Orbril
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Nibra Orbril » Samstag 22. April 2017, 13:59

Ich werfe Marco einen Blick zu, interessiert, dann folgt ein kurzes Lächeln und ein fester Griff um die Lanze in meiner rechten Hand. „Gut“, sage ich mit einem Kopfnicken, wobei mein Blick weiter auf meinem Ausbilder verharrt. Normalerweise würde ich jetzt etwas sagen wie: „Schau auch du genau zu“, doch nicht in diesem Fall. Ich habe ihn kämpfen sehen, nur für einen Moment, doch dieser reichte um mich erkennen zu lassen, dass er erfahrener, stärker, geschickter ist als ich. Ich sollte ihm gegenüber also keine großen Worte spucken die ich nicht in die Tat umsetzen kann. Trotzdem ist da immer noch dieser Reiz, tief in meiner Magengegend, der schreit, dass ich mich nicht mit einer Puppe, sondern mit ihm persönlich messen sollte. Ich bringe sie zum Verstummen, muss mich wenigstens etwas an die neuen Gegebenheiten anpassen. Man Duelliert sich hier nicht mit dem Lehrmeister, nicht als Anwärter, und ein solcher bin ich… Wenn auch stärker als die meisten anderen hier.

Ich gehe ein paar Schritte fort, direkt vor die Trainingspuppe und beginne sofort, ohne große Aufwärmung, ohne jegliche Show. Ich begebe mich in mein Element, in meine Leidenschaft und blende den Rest aus. Mein Körperschwerpunkt verlagert sich, schnell, flink, ein Stich in den Bauchbereich der Trainingspuppe, die Distanz nutzend um den Gegner zu schwächen. Ohne Probleme gleitet die Lanze wieder aus dem Stroh der Puppe, nur mit einem kurzen Ruck, im gleichen Winkel in dem ich zugestochen habe. Es ist gefährlich falsch zuzustechen, die Lanze zu verlieren, weil man versucht sie aus dem Körper des Feindes zu reißen. Sie muss rausgleiten, ohne große Kraft, im gleichen Winkel des Einstechens. Verliert ein Lanzenkämpfer seine Waffe, so ist er bei größeren Feindesgruppen anschließend Chancenlos. Während ich die Lanze zu mir zurückziehe, greife ich um, halte sie weiter hinten, um einen neuen Schwerpunkt zu haben. Das ist wichtig für meinen nächsten Schritt. Ich drehe mich um die eigene Achse, gehe mit Leichtigkeit in die Knie, jetzt neben der Puppe stehend. Ich steche zu, neben die Füße der Trainingspuppe, lasse die Lanze dann mit einem Ruck nach links gegen die Füße prallen und ziehe sie zu mir zurück. Gegen einen echten Gegner wäre dies ein Angriff auf die Achillessehnen gewesen. Ihn unbeweglich machen, ihm keine Chance geben weiter zu kämpfen. Ich schnelle aus der Hocke hoch, lasse die Lanze um meinen Körper rumwirbeln und steche dann ein letztes Mal zu. Seitlich, unter die Achsel, quer durch Lunge und Herz. Das Todesurteil. Ich hätte auch auf den Hals zielen können, doch ein Treffer an diesem ist wesentlich unwahrscheinlicher. Auf den Kopf zu zielen macht keinen Sinn. Die Schädeldecke ist zu dick, selbst wenn man sie durchstechen würde, hätte man nur wenig Chance die Lanze ohne Probleme wieder aus dem Kopf des Feindes zu befreien. Ich ziehe die Lanze zurück aus dem Stroh, wieder mit Leichtigkeit, Eintrittswinkel gleich Austrittwinkel, führe noch einen letzten Schritt zur Seite aus und komme zu stehen. Die Lanze neben mir, wieder exakt am Ausgangspunkt stehend.

Ich lächle während die Geräusche um mich rum wieder lauter werden und schaue zu Marco. Es hat alles funktioniert, so wie ich es wollte. Auch wenn dieser Ablauf gegen einen reellen Feind deutlich schwerer gewesen wäre. Bewegt sich der Feind, so kann jeder Stich der neben das Ziel trifft verheerend sein.
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Steven Servain
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Steven Servain » Samstag 22. April 2017, 14:23

Ein Schrei. Ihr Schrei. Er weckt mich abermals auf, raus aus diesem schwarzen Loch, selbst geschaffen, dass mich anzieht und meine dunklen Gedanken verstärkt, sie umrandet und herausstechen lässt. Gedanken des Scheiterns, Gedanken der Nutzlosigkeit. Ich zucke zusammen, drehe mich um, sehe wie sie wegrennt, fort von mir, fort von der Gruppe. Ich bleibe stehen, nicht Wissend was als nächstes zu tun ist, was der richtige Schritt wäre. Ich fühle mich Unnütz, Vertraue meinem Bauchgefühl nicht mehr, dieses verräterische Gefühl, dass uns in diese Lage befördert hat. Kann ich ihm überhaupt noch vertrauen? Irgendwann wieder? Diesem Gefühl, dass mich schon so oft aus prekären Lagen gerettet, jedoch dieses Mal so versagt hat? Habe ich nicht gelernt mit dem Kopf zu entscheiden und nicht mit dem Bauch? Wieso habe ich diese Lektion heute vergessen gehabt? Wieso bin ich in die alten Jahre zurückgefallen? Habe ich nicht früher schon schmerzlich erkennen müssen, dass es der falsche Weg ist erst zu handeln und dann zu denken? Ist mir nicht damals schon klargeworden, dass ich mich ändern muss? Weg von diesem unsicheren, gefährlichen Konstrukt der Intuition, hin zu dem was Veyrne so starkt macht? Jede Alternative durchgehen und dann entscheiden was der beste Weg ist? Ich schüttle den Kopf. Was ist jetzt der beste Weg? Gibt es nicht eigentlich nur eine Möglichkeit, die in dieser Situation als möglich erscheint?

Ich kann sie nicht gehen lassen, sie nicht alleine lassen und trotzdem beginnen meine Füße nicht zu laufen. Was ist, wenn auch diese Entscheidung falsch ist? So logisch und einleuchtend sie auch klingen mag… Genau so klang die Entscheidung das Mädchen zu retten in meinem Kopf. Die Angst des Versagens, davor, einen weiteren Fehler zu begehen, hält mich fest als würde ich tief im Treibsand stecken. Ist es die Angst davor, dass jede Bewegung mich weiter sinken lassen würde? Habe ich mich dazu entschlossen nichts zu tun? Statt schnell langsam zu sinken um die letzten Atemzüge genießen zu können? Mit der Hoffnung auf Rettung? Ist das nicht die richtige Entscheidung? Mein Kopf schmerzt, zu viele Gedanken, zu viele Sorgen. Was mache ich hier? Es ist Cleyo… Ich kann sie nicht alleine lassen. Beweg dich! Ich schüttle den Kopf, mein Gesicht von Angst gezeichnet. Angst die ich abschütteln muss um einen Weg zurück zu finden. Ich bin ich… Ich war ich… Ich werde ich sein. Ist es nicht so? Lauf endlich los… Daru läuft an mir vorbei, Cleyo hinterher. Er hat sich Entschieden, hat keine Angst vor seinen Entscheidungen, stellt ihr wohl an die Spitze. Auch ich sollte so handeln. Was ist das für ein Gefühl? Dieses Gefühl der Angst? Der Machtlosigkeit? Es bringt mich zum Zittern, frisst sich in meinem Kopf, lässt mich Zweifeln an jeder Entscheidung die zu treffen ist, an jeder die ich noch zu treffen habe. Es nützt nichts. Ich nütze nicht, nicht jetzt, nicht in diesem Moment.

Ich gehe einen Schritt. Es fühlt sich komisch an. Komisch eine meiner Entscheidungen zu befolgen. Als wäre es nicht mein Kopf, der mich zum Handeln zwingt. Er versinkt in Selbstzweifeln, sogar bei so einfachen Entscheidungen. Ich muss es loswerden, dieses Gefühl. Diese Entscheidung ist richtig, es gibt keinen anderen Weg, ich muss ihr folgen, wir müssen zusammenbleiben. Ich laufe los. Der Knoten in meinem Magen löst sich leicht. Ich bin erleichtert, verängstigt und erleichtert. Ich muss mich wiederfinden. Nicht den alten, nicht den neuen, sondern mich. Mich selbst. Ein Ich, selbst geschaffen und so wie ich bin. Nicht nach den Wünschen anderer. Ich muss lernen meinen Kopf einzusetzen, der auf jeden dümmer wirkt als er eigentlich ist. Wieder dringt Blut meine Speiseröhre hoch. Ich spucke es aus, beginne zu rennen, so schnell wie es mir noch möglich ist, Daru und Cleyo hinterher. Es ist richtig…

Irral Sol
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Irral Sol » Samstag 22. April 2017, 14:42

Dieses kleine Biest… Ich schaue erzürnt. Immer noch. Wie konnte ein solches Geschöpf es wagen mich zu bestehlen? Mir etwas zu nehmen, dass meiner Familie entstammt? Ja. Wir Elfen legen nicht den gleichen Wert auf gegenständliche Besitztümer wie es die Menschen tun. Und trotzdem steigen vereinzelt Impulse der Wut in mir auf. Nicht nur, dass mein Haarschmuck einer der wenigen Gegenständen ist, der mir wirklich etwas bedeutet, auch der Nutzen dieses fehlt mir. Immer wieder fallen mir meine Haare vors Gesicht, verdecken mir die Sicht, machen es mir schwer mich zu fokussieren. Ich schnaube, versuche meine Gefühle zu kontrollieren, es gelingt mir, auch wenn es mir schwerer fällt als gewöhnlich. All die neuen Eindrücke und Erkenntnisse, all das, was gegen meine Erwartungen läuft. Es ist als würde ich eine neue Welt kennen lernen und meine Abenteuerlust, die ich als Kind so oft verspürte, tauscht die Position für einen kurzen Moment mit der Sehnsucht nach meinem zu Hause. Nach meinem alten, unbeschwerten Leben, in dem keine Roans sind, keine kleinen Geschöpfe, die mir mein Haarschmuck klauen, keine Wälder, die mir neuartig, verwirrend erscheinen. Ich bleibe stehen, als mir etwas ins Auge fällt. Wieder nicht das Ziel, wieder nicht die ersehnte Erlösung, wieder nur etwas, dass meine Aufmerksamkeit ablenken soll, von dem eigentlichen Ziel. Ich rieche etwas, was mich dazu verleitet die Spuren genauer zu betrachten, die ich beinahe einfach ignoriert habe. Ich beuge mich runter, näher an die Spuren ran, näher zu dem Duft hin. Dann erkenne ich es. Inmitten der Spuren. Blut… Frisches Blut.

Mein Kiefer spannt sich an, meine Stirn legt sich in kaum erkenntliche Falten. Die Spuren führen in den Wald, nicht hinaus. Ich stutze. Wieso sollte jemand blutend in den Wald laufen. Wieder diese Wut, die für einen kurzen Moment in mir aufsteigt, diese so unvertraute, unbekannte Wut. Wieso versucht mich dieser Wald zu locken, immer wieder davon abzubringen mein eigentliches Ziel zu verfolgen. Ich bin nicht hier um meinen eigenen Interessen nachzugehen, sonst wäre ich schon längst woanders, sonst wäre ich dem Schatten gefolgt als er an mir vorbeizog, sonst wäre ich dem Tier nachgestürmt, sonst wäre ich ihr gefolgt. Doch ich kann nicht. Ich darf nicht. Es ist nicht mein Blut, es hat mich nicht zu interessieren. Ich bin hier um eine Aufgabe zu erfüllen, nicht um ungeschützt tiefer in den Wald hinein zu gehen. Und trotzdem drückt es mich förmlich hinein, den Spuren nach, tiefer in den Wald. Ich halte inne, muss mich selbst kontrollieren. Es ist nicht meine Angelegenheit. Nicht meine Sache. Ich wende mich ab, schweren Herzens. Das Ziel liegt nicht tiefer in dem Wald. Das Ziel ist kein blutendes Geschöpf, oder? Ich atme tief ein und wieder aus. Nein…

Wieder wende ich mich ab, wieder von einer Route meiner Begierde. Ich hätte nicht gerechnet, mit all den Versuchungen die diese neue Welt bereithält. Diese Versuchungen, die mich testen, die mich locken, die mich abbringen wollen von dem richtigen Pfad. Ich muss das Ziel im Auge behalten, mein Ziel. Es muss hier irgendwo sein. Am Waldrand. So wie er sagte. Nicht tiefer im Wald. Ich entferne mich von den Spuren, nicht ohne einen weiteren Blick zurück zu werfen. Wie gerne wäre ich ihnen gefolgt. Doch das ist nicht mein Weg. Mein Weg ist vorherbestimmt. Mein Weg ist es, meinem Ausbilder, auch wenn er kein Elf ist, zu gehorchen und wenn mir ein Auftrag auferlegt ist, diesen zu erfüllen. Ohne mich ablenken zu lassen. Ohne meinen eigenen Gelüsten nachzugehen. Diese Welt für dich ich mich entschieden habe… sie ist eine Herausforderung.
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Kisenia_NPC » Samstag 22. April 2017, 18:34

Wer bin ich?

Der Fremde zuckt leicht zusammen als er bemerkt wie sehr ihn die Lage aus den Händen geglitten ist. Er spürt das Äther in Freya, welches sich langsam sammelt um zum letzten Schlag auszuholen. Seine Hand schnellt nach oben, hin zu seiner Kapuze, die er mit einer gekonnten Bewegung von seinem Kopf zieht und damit sein Gesicht offenbart. Ein kurzer stoppeliger Bart, kleine Narben im Gesicht, die Kampferfahrung preisgeben und grelle grüne Augen, die in die Freyas schauen. Anschließend löst er mit einer kurzen Bewegung den Gürtel von seiner Hüfte, der klirrend zu Boden fällt und ihn entwaffnet. Er will Freya demonstrieren, dass er keinerlei Absichten hat mit ihr zu kämpfen. Anscheinend hat ihn die Reaktion Freyas überrascht. Er hebt die Hände in die Höhe um noch einmal mehr zu verdeutlichen, dass er in friedlicher Absicht kam. Dann erklingt wieder seine leise und doch so beängstigende Stimme. „Ich bin Clahes, Final-Sprout der Assassinen und Diebe hier auf Blewth“, er schaut Freya weiterhin tief in die Augen, scheint sich auf ihr Äther zu konzentrieren, um im Falle eines Falles, auch ohne Waffen, schnell genug jegliche Gefahr bannen zu können. „Mein letzter Einsatz trieb mich in eine Provinz in Kroth, die nur auf den wenigsten Karten eingezeichnet ist. Dort traf ich einen Mann“, seine Augen verengen sich, auf jegliche Veränderung in Freyas Mimik achtend. „Ich kam nicht umhin ihn bei einem Gespräch zu verfolgen in der dein Name fiel.“ Er scheint mit dieser Offenheit die Lage beruhigen zu wollen, trotzdem merkt man ihm an, dass er leicht erzürnt darüber ist von einem Sprout angegriffen worden zu sein. Wie wird Freya reagieren? Wieso hat sie ihn noch nie auf Blewth gesehen, wenn er doch Final-Sprout hier ist? Sie weiß, dass einige der Assassinen auf Monatelange Missionen geschickt werden, die sich teilweise sogar über Jahre erstrecken. Ist er einer dieser Assassinen? Kann sie ihm fürs erste Glauben schenken?


Der Tänzer

Saranth rappelt sich wieder auf und hebt seine beiden Schwerter ungeschickt zurück in die Luft, nicht jedoch, ohne eines dabei fast im Boden aufzuspießen. Nach einem schweren Ausatmen sieht er Roan verwirrt an. "Was meinst du?" Er sieht aufrichtig ahnungslos aus und ein wenig außer Atem von den wenigen Anstrengungen die sie bereits hinter sich gebracht haben. "Soll ich den Arm höher heben?" Eines der Schwerter hebt sich erneut in die Luft und Roan kann erkennen, dass sein Partner eine Blockade versucht. Dumm nur, wenn diese so falsch angelegt ist, dass überall ein Angriff durch ginge. Auch Saranth scheint das aufzufallen und er beginnt es neu auszurichten. Dann wieder, dann wieder...
"Einen Tänzer haben wir auch in unseren Reihen, harhar!", schallt plötzlich Drocs Stimme über den Platz, bevor sie etwas leiser wird. "Lass das bloß nicht Marco sehen, sonst verlier ich meine Wette, har!" Wird hier eigentlich auf alles gewettet? Roan kann sehen wie das Gesicht des Blonden sich plötzlich rot färbt und er in seinen Bewegungen inne hält, um den Blick beschämt zu senken.


Im Rücken der Aufmerksamkeit

Gerade als Nibra fertig ist und sich umdrehen will spürt die Anwärterin etwas knapp, aber kräftig gegen ihre Kniekehlen schlagen und von den Füßen reißen. Ausbilder Marco Drillker steht plötzlich unmittelbar über ihr und noch ehe sie reagieren kann zeigt die Spitze seiner Lanze geradewegs auf ihre Kehle.
"Konzentration und gezielter Angriff sind wichtig im Kampf", sagte er ruhig mit seiner tiefen Stimme. "Aber diese Konzentration gehört auf das ganze Schlachtfeld. Selbst die beste Taktik schützt dich nicht, wenn du deine Umgebung vernachlässigst."
Einen Moment später verschwindet die Lanze wieder und der Mann tritt zurück, um ihr Raum zu geben. Er nickt zu der Trainingspuppe.
"Nochmal von vorn. Behalte nicht nur deinen Gegner im Auge, sondern deine gesamte Umgebung. Nutze die Lanze vielseitiger."
Einige der anderen Anwärter ihrer Klasse haben mit dem Training aufgehört, um das Geschehen interessiert zu verfolgen.


Und der Wald lebt

Die Blutspur verschwindet im Dunkel der Blätter, gleich dem Schatten und dem kleinen Dieb. Gleich der unbekannten Lehrmeisterin eines fremden Volkes. Doch der Wald scheint noch nicht fertig mit ihm zu sein. Als wollte er ihm förmlich einen Streich spielen, hört der Elf schon bald etwas Neues, ein Knurren, den Schrei einer Kreatur die er nicht kennt. Und sie scheint sich geradewegs auf seinem Weg zu befinden.
Es scheint fast als sei der Wald eine lebende Kreatur, höhnisch und neckisch wie eh und je.
Äste knacken, Büsche rascheln. Was immer das für ein Wesen ist, es scheint sich direkt auf Irral zu zu bewegen. Er ist noch immer nur mit diesem einen, sonderbaren Pfeil ausgestattet. Einen echten Kampf wird er vermeintlich nicht überstehen...

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Nibra Orbril » Samstag 22. April 2017, 19:42

Noch bevor ich mich umdrehen kann um Marco einen abschätzenden Blick zuzuwerfen damit ich sehen kann wie er meine Schlagfolge bewertet trifft mich etwas Hart an den Beinen. Ich verliere meinen Stand, lande schwer auf den Rücken, wobei sich meine Augen für den Moment des Aufpralls schließen. Kaum habe ich mich wieder gesammelt und meine Augen geöffnet, sehe ich den Holz Schaft einer Lanze über mir ragen, mit der Spitze auf meine Kehle zielend. Ich blicke auf zu dem Angreifer und erkenne Marco. Wut kocht in mir hoch. Er hat mich unvorbereitet getroffen, ohne Vorwarnung. Im echten Leben wäre ich jetzt tot. Mein Blick verfinstert sich und fixiert Marco, der mit lehrenden Worten über mir thront. Für den Moment der Wut will ich ihn angreifen, seine Lanze wegschlagen, das offene Duell suchen, unkontrolliert, ebenso, wie ich es in meiner Heimat getan hätte. Doch… weiß ich auch, dass ich in meiner Heimat jetzt Tot wäre. Ein Angreifer, der mich derart überrascht hätte, hätte nicht gezögert mir die Spitze der Lanze in die Kehle zu rammen. Marco zieht seine Lanze zurück und ich rapple mich, zwar beschwichtigt, aber immer noch leicht säuerlich auf, Marco im Blick haltend, der mir eine Lektion in Sachen Kampfumgebung gibt. Ich nicke. Bei aller Wut befinde ich mich gerade in meiner ersten Lektion. Auf dem Weg besser zu werden. Ich sollte ihm dankbar sein, er hat recht. Ich nicke ihm zu, wobei mein Gesicht sich leicht aufhellt. Also nochmal. Fokussierter, auf das Schlachtfeld konzentriert. Mir ist es egal, dass die anderen Anwärter interessiert zusehen. Es macht mich nicht nervös.

Wieder gehe ich in die Hocke, steche einmal zu, der Trainingspuppe in die Magengegend, wie vorhin auch. Dann jedoch ändere ich meine Schrittfolge, einen Blick zu Marco werfend. Ich versetze der Lanze einen Stoß, sodass sie durch meine Hände nach hinten gleitet, ich sie vor der Spitze greife und mit dem stumpfen Ende der zweiten Trainingspuppe ins Gesicht stoße. Wieder rutscht die Lanze durch meine Hände. Ich fange sie auf, mit einer Hand am Ende des Schafts, die andere lege ich auf den Boden. Tief in der Hocke schleudere ich die Lanze um meine eigene Achse. Sie schlitzt mit der scharfen Kante der Spitze beiden Puppen in die Fußregion. Ich steche sie in den Boden, erhebe mich aus der Hocke, gehe einen Schritt, sodass ich die Lanze wieder in der Mitte greifen kann, wobei ich mein Körpergewicht im rechten Fuß balanciere und die Lanze nach rechts schnellen lasse, in die Brust der rechten Puppe. Ich ziehe sie zurück, greife neu, drehe mich nach links, lasse sie wieder schnellen und treffe mit einem weiteren Stich auch die zweite Puppe in der Brustregion. Dann springe ich ab, nach hinten, rolle mich ab, die Lanze so haltend, dass sie mich dabei nicht verletzt, stehe dann auf, begebe mich in die Hocke und halte die Lanze in der Mitte. Die Spitze auf Marco deutend, das stumpfe Ende meinen Rücken deckend, mein Blick immer wieder kurz nach links und rechts schwenkend, alles im Blick habend, auf alles vorbereitet sein, so wie er es mir empfahl.

Ich fühle mich gut. Mein Puls kommt zur Ruhe. Das war besser. Schon viel besser. Seine Lektion, so wütend sie mich auch gemacht haben mag, hat mir schon jetzt geholfen besser zu werden. Es war die richtige Entscheidung herzukommen. Er kann mich formen, er kann mir helfen stärker zu werden, er und nur er. Ich schaue ihm tief in die Augen, meine Augenbrauen leicht zusammengezogen, darauf vorbereitet, dass er wieder irgendwas Vorhaben wird. „War´s so besser?“, frage ich mit meinem typischen Akzent ehrlich interessiert. Der erste Mann den ich seit langen zu Achten beginne.
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Irral Sol
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Irral Sol » Samstag 22. April 2017, 20:21

Immer noch nach dem Ziel suchend laufe ich konzentriert und wieder fokussiert durch den Wald. Jedoch nicht solange ungestört wie ich es mir erhofft hatte. Statt das Ziel zu finden und diese anstrengende Suche zu beenden ertönt ein lautes Knurren. Ich erschaudere nicht, ich rechne bei dem Wald nach den ganzen Zwischenfällen mit allem. Nur wirkt diese Trainingseinheit, das einfache und simple Suchen nach einem Ziel, auf mich mehr und mehr wie purer Schwachsinn. Er müsste den Wald kennen, er müsste wissen, dass es anscheinend doch nicht so leicht ist das Auszumachen, was er als leichtes Ziel beschrieb. Ich schüttle den Kopf. Einen Anwärter mit nur einem Pfeil in einen Wald zu schicken, der verstörender kaum sein konnte, bei aller Liebe zur Natur, scheint planlos und unstrukturiert. Und egal wo er herkommt erscheint dieser Ausbilder auf mich immer mehr deplatziert. Ein Elf hätte das alles anders gehandhabt. Hätte mehr Struktur gehabt. Wäre mit den Anwärtern in den Wald, hätte ihnen wenn dann mehr Pfeile zur Verfügung gestellt. Ich schüttle den Kopf. Und das soll die Elite sein? Seit einiger Zeit geistere ich durch den Wald, im Gebiert das beschrieben wurde, Irrtum ausgeschlossen, und trotzdem finde ich nichts außer Gefahren und Ablenkungen.

Ich atme tief ein, ehe ich mich Bewege. Weg von meiner derzeitigen Position, hinein in die Büsche und, als hätte ich es nicht schon einmal erlebt, hinauf auf einen Baum. Egal welches Monster es auch sein mag, mit meiner Ausrüstung stehen die Chancen auf einen Sieg gleich null. Selbst der Vorteil meiner erhabenen Rasse kann daran nichts ändern. Und das bringt einen faden Beigeschmack mit sich. Ich klettere Flink, erklimme schnell die höheren Regionen des Baumes und bleibe dann ruhig atmend, mich nicht bewegend auf einen der festen, mich mit Leichtigkeit tragenden, Äste sitzen. Gehockt. Solange das Monster kein Äther fühlen kann wird es mich hier oben nicht ausmachen. Und selbst wenn befinde ich mich hier in einer Position, die es mir leichter macht zu agieren, zu reagieren. Wieder schüttle ich den Kopf, unkontrolliert, da keiner zuschaut lasse ich es meinem Körper durchgehen. Die Elite also…

Vielleicht hätte ich doch die Magie wählen sollen. Den Weg des Äthers beschreiten sollen. Vielleicht wäre dort ein Lehrer gewesen, der weiß was er tut. Ich bin mir nicht sicher wie Nikov den Fauxpas dieser ersten Unterrichtsstunde wiedergutmachen will. Natürlich, den Reizen der Ablenkung zu widerstehen obliegt nur mir, trotz dessen kann ich nicht verstehen, wieso ich schon seit geraumer Zeit durch den Wald geistere ohne die versprochenen Ziele zu finden. Ich bin richtig hier, seiner Beschreibung gefolgt. Wir Elfen irren uns nicht, was Himmelsrichtungen angeht, nie, selbst in solch bizarren Wäldern.
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Kisenia_NPC » Dienstag 25. April 2017, 13:52

Ein Portal

Kurz hinter Steven öffnet sich summend ein Portal, aus dem Licht heraus strahlt. Es sieht genau aus wie das Portal, mit der die Gruppe die Sphäre betreten hat. Doch Cleyo ist jetzt davon gelaufen und Steven müsste an Daru und Cleyo dran bleiben, um sie nicht zu verlieren. Dies scheint ein Ausgang aus der Sphäre zu sein. Möglicherweise hat die Gruppe bereits länger in der Sphäre verbracht, als ursprünglich vorgesehen. Doch wenn er jetzt weiter läuft, ist die Gefahr groß, dass sie das Kind nicht wieder finden. Noch ist es nicht so lang weg. Doch vielleicht ist es besser, sich zurück zu ziehen und neu zu sammeln.

Cleyo

Cleyo, die wütend in den Wald gestürmt ist, gelangt an tiefere, finstere Stellen des Waldes. Und das lähmende, schwere Äther beschlägt ihre ätherische Wahrnehmung. Es drückt sie nieder und versperrt ihre Sinne. Es ist nun so dicht, als würde es sie festhalten. Sie hört plötzlich Gedanken, die nicht ihre eigenen sind. Mord. Tod. Blut. Sterben. Raus. Gehen. Fort. Entkommen. Laufen. Weg. Seltsame Bilder drängen sich in das Innere von Cleyos Kopf. Wie Erinnerungen. Blutige Körper, zerstörte Häuser. Dunkle Gedanken von Rache und Zerstörung. Der Wille des Waldes hagelt auf Cleyo ein und scheint nach ihr zu greifen und sich ihr aufzwingen zu wollen. Und der Wille scheint daraus zu bestehen, die Türme in der Ferne aufzusuchen und dort zu morden. Die Baumkronen lassen kaum noch Licht hindurch und die finsteren Gedanken in Cleyos Kopf scheinen die Gedanken des Waldes noch zu entfachen. Sie schreien fast wie ein gepeinigter Chor nach Mord. Nach einem reinigenden Massaker zu ihrer Labsal.

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Roan Thenorias » Donnerstag 27. April 2017, 20:19

Er weiß es selbst nicht.
Mit jeder seiner Bewegungen macht es Saranth so deutlich wie nur möglich. Wie kann ein Mensch so gut schauspielern? Ich sehe die Unsicherheit in dem Blick meines Gegenübers, die Anstrengung auf seiner glänzenden Stirn. Was hätte Irral wohl gesehen, mit seinen scharfen Elfenaugen? Hätte er schon mehr erkannt als ich, vielleicht sogar Makel in der scheinbar perfekten, schauspielerischen Leistung entdeckt?
Ich fluche innerlich.
Es ist nicht so, dass ich den Elfen jetzt gerne hier hätte,... aber wenn auf die Sinne eines Wesens verlass ist, dann auf die eines dieser anmutigen Geschöpfe. Das Training geht voran, natürlich, die Welt stoppt nicht nur für den Augenblick von mehreren Gedanken und ich fokussiere meine Aufmerksamkeit wieder auf das Wesentliche. Ich werde noch Zeit finden, um Saranth genauer unter Augenschein zu nehmen...

Gerade, als ich meine Lippen öffnen, und seine horrende Blockade korrigieren kann, ist es mein Gegenüber, der sich immer wieder neu positioniert. So auffällig wie er mit den Schwertern herumfuchtelt, dauert es nicht lange, bis unser Ausbilder lautstark auf ihn aufmerksam wird. Der verhältnismäßig schmale, aber durch und durch muskulöse Mann schreitet näher auf uns zu und ich erkenne den derben Witz in dem aufziehenden Satz, der Saranth zugetragen wird. Ein Blick auf ihn verrät mir den Scham, der ihn fest in seiner Umklammerung zu haben scheint. Ich höre ein paar Anwärter um uns herum kichern - auch ihnen ist die Neckerei nicht entgangen.
In mir steigt der Drang auf, vorzutreten und den jungen Mann aus dieser peinlichen Situation zu holen, doch: Ich kenne ihn nicht einmal im geringsten. Es ist auch nicht so, dass ernsthaft Schaden über ihm ausgekippt wird. Vermutlich muss jeder einmal da durch. Ich beschließe jedoch, dieses Maß an Bloßstellung zumindest abzubrechen und in andere Bahnen zu lenken.
"Ihr wollt doch nicht etwa davon ablenken, dass Ihr selbst zwei linke Füße besitzt?" Entgegne ich laut genug unserem Ausbilder, um das Kichern in den vorderen Reihen um uns herum erneut ausbrechen zu lassen.
Ich könnte einen Schritt zu weit gegangen sein, doch gemäß eines Mottos, muss jeder, der so austeilt, genauso gut einstecken können. Es spielt für mich keine Rolle, welche Rolle oder welchen Titel die Person auch tragen mag: Ich halte mich nicht so eng an die gesellschaftliche Etikette. Respekt erntet ein Mann oder eine Frau nicht durch seinen Namen von mir, sondern lediglich durch seine Taten.

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Cleyo » Donnerstag 27. April 2017, 20:44

Kaum das ich in den Wald hinein renne kehrt die heftige Ätherwand ohne Vorwarnung einfach wieder zurück. Ich bin nicht vorbereitet, obgleich ich es hätte sein sollen. Die Wucht trifft mich, der Druck scheint mich beinahe nieder drücken zu wollen und einfach so entgleitet die Kontrolle. Sekunden nur sind vergangen seit meiner Flucht und siehe da, schon ward die Flucht zur Falle. Meine Orientierung ist verloren. Es wird dunkel um mich herum. Wut, noch mehr Wut und Verzweiflung und eine Stimme in meinem Inneren hängt sich hinein, wütender noch als zuvor.

Das alles hier ist falsch! Ich sollte nicht hier sein! Ich sollte mich nicht auf sie verlassen, nicht für sie interessieren! Und ich weiß es. Soweit ich zurück denken kann, war das die erste Regel von allen: Du bist dir selbst am Nächsten. Zusammenhalt, ja, ein trügerisches Konstrukt. Denn wenn der Hunger kommt, wenn die Entscheidung fällig ist: "Sterben oder sterben lassen", dann treffen wir alle doch nur eine Wahl.

Und der Hunger der Straße ist endlos.

Ich weiß es, ich habe es immer gewusst. Dennoch kam ich her, nach Blewth, das regiert wird von der närrischen Idee gemeinsam wäre man stärker. Getragen von der närrischen Idee herauszufinden wer ich wirklich bin und stärker zu werden. Doch statt stärker, wurde ich nur schwächer und jene Schwäche nagt jetzt an meinem Verstand. Stevens Worte, Stevens Blick, der meine Brust krampfen lässt. Daru der einfach ... nicht da war. Die Wahrheit, dass wir nie eine Einheit waren und nie eine sein werden.

Alles kaputt, alles zerstört und die Wut, sie tobt, wild und ungebändigt, noch wütender als zuvor. Noch wütender je mehr es mich in die Ecke drängt. Doch dann sind es nicht Wut und Verzweiflung die mich durchströmen, sondern Gedanken und Erinnerungen, die so nah erscheinen wie sie fern sind. Fremd. Stimmen und Bilder die ich nicht gesehen habe. Was ist das? Was zum Teufel geschieht hier? Ich kann mich nicht länger orientieren. Nicht länger begreifen was vor sich geht.

Wieso?

Die Bilder bleiben. Der Wille prallt auf mich ein. Stehe ich? Liege ich? Ich weiß es längst nicht mehr. Nur diese Wut, nur dieser Drang, diese Dunkelheit, bleiben mir.

Verzweiflung.

Und diese Verzweiflung ist es die sich endlich Bahn bricht. Ich schreie. Ich schreie so laut ich kann, schreie mit all der Wut, mit all der Verzweiflung, mit jedem Quäntchen Gefühl das in meinem Körper steckt, als könne meine Stimme allein den Schmerz beenden. Ich schreie.

Mit allem was mir bleibt.

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Freya » Donnerstag 27. April 2017, 21:25

Schweigend bleibe ich in den Schatten stehen so gut es mir möglich ist. Kein Angriff als Antwort, kein direktes Nachsetzen. Stattdessen weicht der Fremde zurück und mit einem lauten Geräusch sehe ich den Gürtel zu Boden gehen. Fayts Flügelschläge erfüllen die plötzlich wieder entstehende Stille. Er zögert, doch dann höre ich wie er sich langsam entfernt, um zu der einzigen Person zu fliegen bei der ich ihn jetzt noch sicher weiß: Veyrne.

Die Stimme ertönt wieder in der Dunkelheit und natürlich klingeln seine Worte. Sie müssen klingeln. Doch Liones lässt sich nicht belauschen. Und er würde das auch niemandem einfach anvertrauen. Nein. Das Bild was der Fremde zeichnet ist zu skurril. Oder? Wenn er für Liones arbeitet wäre das schon etwas ganz anderes... Ich habe ihn nie gesehen. Wie lange kann er auf Mission gewesen sein? Was für eine Art Mission mag das sein?

Unschlüssig stehe ich da, unentschlossen was ich glauben soll oder kann. Die Wahrheit ist, ich kann rein gar nichts glauben. Was stimmt von dem was scheint? Blewth ist nicht gut, Toku nicht nett. Die glorreichen Titanen ein loser Zwangsverbund von Menschen die eigentlich nichts verbindet. Es gibt keine Kameradschaft, keine echte, nichtmal zwischen Veyrne und mir. Denn seien wir ehrlich... Veyrne, mit dem man mir eine Affäre nachsagt, ist so weit von mir entfernt wie davon der Mustersprout zu sein für den man ihn hält. Nichts ist sicher, ich bin nicht sicher.

Und doch... irgendetwas ist vorgefallen. Dieser Fremde ist darin verwickelt und ich habe keine Ahnung was. Er ist hier. Direkt vor mir. Selbst wenn mir die Flucht jetzt gelänge - für wie lange? Auch das Schloss ist nicht sicher. Nach ihm wird ein neuer kommen, oder es wird Toku sein. Es ist eine Flucht ohne Ende und für was? Um was kämpfe ich eigentlich? Nicht zum ersten Mal muss ich mich fragen wieso ich nicht einfach aufhöre. Wege gäbe es viele. Vielleicht muss ich einfach nur einen geschickten Angriff starten, den Funken Provokation der ihn dazu treibt das Spiel zu stoppen und die Beute zu töten, um den Auftrag auszuführen. Ich weiß wie. Und ich weiß wie überlegen er mir ist. Es wäre so einfach... Inmitten der Bibliothek, hinter dicken Mauern und Massen an Wachen, könnte in nur einem Wimpernschlag einfach alles vorbei sein.

Gar nichts ist sicher.

Ich kenne das Gefühl. So vertraut und auf seltsame Weise so weit entfernt. Ich habe mich an die Distanz gewöhnt, die vermeintliche Sicherheit, die ich in den letzten Wochen schon längst wieder verloren habe. Und obwohl ich längst paranoid hinter jede Biegung, ja, selbst in die offene Weite spähe, ist das Gefühl doch so fern wie die alte Heimat, die vor Jahren zuletzt gesehen ward. Vertraut, so vertraut. Das rasende Herz, das starke Pochen in meinem Kopf. Die Anspannung jedes Muskels. Das Lauern. Und doch ist es anders.

Was kann ich glauben?

Das alles kann ein weiteres, perfides Spiel von Liones sein, meinen Verstand zu täuschen und zu zermartern so wie er es am Meisten liebt. Ich weiß wie er lacht und sich Zeit lässt. Wie es ihn amüsiert nicht gleich ans Ziel zu kommen. Ich kenne das Grinsen, boshaft und giftig in sich selbst, ich kenne alles. Klar und deutlich in meinen Verstand gebrannt auf das es niemals vergessen werden kann. Ich kenne es. In meinen Ohren höre ich seine Lache, so laut als sei sie echt, spüre die vertraute Verzweiflung an den Wänden meiner Vernunft zerren. So ist es wie er mich liebt. Auf dem Boden. Verzweifelt. Und ohne jeden Ausweg.

Für einen Moment ist es alles täuschend echt. Die Erinnerung so vertraut als wäre alles schon wieder so wie es einmal war und die Unerträglichkeit allein lässt mich von dem Gedanken der Aufgabe zurück schrecken.

Nein!

Ich springe zurück, von Schatten zu Schatten so gut es geht und in Richtung der Türen. Ich kann nicht gewinnen, doch ich kann entkommen. Und wenn ich aus dem Fenster springen muss.
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Just bring it on! | Freya

Daru
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Daru » Donnerstag 27. April 2017, 21:42

Obwohl ich ihr folge mit meinen deutlich längeren Beinen, mit einem ähnlich erschöpften Körper, komme ich nicht näher. Zu stark ist noch dieser eine Gedanke in meinem Kopf, die Idee, dass ich nicht das Recht hätte, ihr zu folgen und um Verzeihung zu bitten. Egal was in ihr vorgeht, egal was sie dazu gebracht hat von mir fortzulaufen, es ist vermutlich eine Folge meines Verhaltens, die Zuweisung einer Schuld, der ich mir nur allzu schmerzlich bewusst bin.

Und dennoch bleibe ich nicht stehen. Meine Schritte bleiben konstant, ebenso wie die Distanz. Ich werde sie nicht einfach so ziehen lassen. Ich kann die Hoffnung nicht aufgeben, die Hoffnung darauf, dass es vielleicht doch nicht so schlimm um uns steht, dass etwas Anderes hinter diesem Verhalten steckt, dass noch nicht alles verloren ist, was ich zwischen uns hoffte. Es ist schwach, doch im Moment ist es alles, was ich habe.

So beschämend es auch ist, ich brauche sie, jetzt mehr denn je. Seit Turirs Auftauchen fühle ich mich so zerbrechlich wie schon ewig nicht mehr. Jeder noch so schwache Windhauch könnte mich umwerfen, über den schmalen Grat hinüber, hinein in den Abgrund, in die Schwärze. Ich brauche Cleyo, ihr Licht, ihre Standfestigkeit und ich brauche ihre Schwäche, ihre Hilfsbedürftigkeit. Gemischte Gefühle waschen über mich herein. Im ersten Moment ist es Selbsthass, gefolgt von dem Versuch, meine Empfindungen mir selbst gegenüber zu rechtfertigen, mir einzureden, dass ich nun einmal schwach bin und nichts dafür kann. Und da ist natürlich auch die Stimme der Scham, die mich scheltet und verurteilt, mir vor Augen führt, dass nichts einen Sinn ergibt, dass alle meine Aussagen und Gedanken sich selbst widersprechen. Wie soll eine derart inkonsequente Existenz einer anderen Halt bieten?

Genau in diesem Moment der Erkenntnis stoppt Cleyo ihre Flucht und bringt somit auch meine Füße zum Stillstand. Ich beobachte sie, ihre Verwirrung, Desorientiertheit und … Schmerzen?! Es ist wie immer: ein Blitz, ein Schalter, eine Explosion. Irgendetwas bringt mein Hirn dazu, alles bisher da gewesene zu unterbrechen und sich nur auf die junge Frau vor mir zu konzentrieren. Die Muskeln meiner Beine zucken bereits, doch es ist ihr Schreien, das auch die letzten Bremsen löst und mich nach vorne stürzen lässt, zu ihr, nicht wissend, was sie quält, nicht wissend, wie ich helfen und kann und ob sie meine Hilfe überhaupt will.

Ich erreiche ihren Körper, der im Moment noch kleiner wirkt als sonst immer. Der Drang wird unerträglich und überdeckt jeglichen klaren Gedanken in meinen Kopf. Vielleicht sind es diese Momente, in denen ich am Ehrlichsten mit mir und der Welt um mich herum bin. Ich packe Cleyos Schultern, drehe sie zu mir, ziehe sie an mich. Mein Kinn landet an ihrer Schulter. Die Umarmung ist stark, ohne Zurückhaltung, ohne Rücksicht auf das, was dagegen sprechen könnte. „Cleyo, bitte…“, flehe ich, nicht genau wissend, was für eine Reaktion ich mir überhaupt erhoffe.

Steven Servain
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Steven Servain » Donnerstag 27. April 2017, 22:14

Ich stoppe abrupt, stolpere leicht, schaffe es aber einen Sturz zu vermeiden. Ein Surren hat mich aus dem Trab meiner Schritte gebracht, hat mein Herz höher springen lassen und es mit einem Hauch Hoffnung gefüllt. Ich drehe mich um, langsam, vorsichtig, dabei weiß ich schon was mich erwartet. Und diese Erwartung bewahrheitet sich, nachdem mein Körper sich um die eigene Achse gedreht hat. Da ist er. Ein Ausweg aus allem. Aus meiner Situation, aus dieser Sphäre, weg von Daru und Cleyo, die Chance bietend, mich abzuschotten. Wenigstens für eine gewisse Zeit, bis die Pflicht mich wieder dazu zwingt ins soziale Leben einzutauchen. Meine ersten Gedanken sind klar umrandet und schneller geformt als jeglicher Schwertstreich: Fliehe. Renn weg, Steven, weg von hier, weg von all dem, dass die so sehr schadet. Und fast führe ich ihn aus, diesen Schritt, der mich meiner Persönlichkeit noch ein bisschen mehr hätte beraubt. Doch ich breche ab, stutzend, mir klarwerdend, was ich soeben vorgehabt hatte. Meine Hand greift Sehnsüchtig in Richtung der Erscheinung, die der Ausgang aus meinem Dilemma hätte sein können. Die Verwirrung und anschließende Erkenntnis über das was ich gerade vorhatte lässt mich erschaudern, mich zurückweichen, weg von diesem Portal der Zuflucht. Wie konnte ich auch nur eine Sekunde daran denken, all meine Normen über den Haufen zu werfen? Zu fliehen? Ich schließe die Augen, versuche mich selbst zu finden in der entstandenen Dunkelheit. Doch ich finde mich nicht. Nicht sofort. Wie kann das alles nur einen solchen Einfluss auf mein Dasein haben, dass ich mich selbst nicht mehr zu erkennen scheine? War ich wirklich so von der Vorstellung meiner Stärken geblendet, dass mich meine Schwächen zerspringen lassen? Dass sie dafür sorgen, dass ich von der Dunkelheit meiner Gedanken gefesselt im nichts verschwinde? Ich schüttle den Kopf. Drehe mich um und erschrecke mich abermals, dass mir diese Drehung keinesfalls leichtfällt. Ich war es immer, wollte es immer sein, der, der niemanden im Stich lässt. Doch bringt nicht gerade diese Eigenschaften jeden meiner Freunde immer wieder in Gefahr? Ist es das, was mir so zusetzt? Dass die vorgestellte Ritterlichkeit meines Charakters ein trügerisches Bild war? Eine Ritterlichkeit mit gewissen Nachteilen, die ich immer versucht habe zu verdrängen? Ist es das, was gerade mit mir passiert? Dass ich anfange zu verstehen, dass meine jugendlichen Vorstellungen zu bröckeln beginnen? Ich weiß es nicht, kann es mir nicht erklären. Noch nicht. Nicht an Ort und Stelle. Ich muss weiter, den beiden hinterher. Auch wenn der Gedanke, immer für die anderen Dasein zu müssen zu bröckeln scheint, halte ich an ihm fest. Ich bin schwach, verausgabt, will ruhen. Das ist das was ich möchte. Den Ausgang nutzen und meine eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen. Doch es gelingt mir nicht. Denn insgeheim ist es immer noch da. Das Bedürfnis, dass das nach Selbstverwirklichung übertrifft: Das Bedürfnis mich um andere zu kümmern, andere nicht im Stich zu lassen, nicht so, wie ich einst im Stich gelassen wurde.

Ich laufe los, sehe in einiger Distanz Daru in den Wald eintauchen. Ich versuche aufzuholen, laufe schnellen Schrittes, ebenso, wie es mir in meiner derzeitigen körperlichen Verfassung möglich ist. Und das ist, obwohl ich das Talent unglaublicher Geschwindigkeit besitze, im Moment recht langsam. Ich erreiche den Wald und bleibe abermals stehen. Ich kann Daru nicht mehr sehen. Mein Blick wandert auf den Boden um vermeintliche Spuren zu finden. Dann ein Schrei. Ich Blicke auf, laufe weiter, hin zu der Quelle des Schreis. Und wieder bleibe ich stehen. Ich habe sie gefunden. Daru und Cleyo, sehe wie Daru Cleyo in eine Umarmung zwingt. Ich weiß was er empfindet. Nein. Ich kann es nicht wissen. Aber ich vermute es, habe es schon länger vermutet. Es ist sein Moment. Ich Blicke in Cleyos Gesicht, dass jetzt mir zugewandt ist. Das was zwischen uns zerbrochen ist fast spürbar in der Luft um mich herum. Ich sehe sie als Schwester. Doch anders, als ich Jennifer sehe, die ich nicht beschützen muss, die eher mich beschützt. Und trotzdem schaffe ich es nicht, eine Empathie zu entwickeln, die mich ihr Verhalten verstehen lässt. Ich mach ein paar Schritte und lehne mich geschwächt an einen der Bäume, schwer ein und ausatmend. Mein Blick wendet sich ab von den beiden. Es scheint ein Intimer Moment zu sein. Zumindest für Daru. Ich will ihn nicht verunreinigen.

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Cleyo » Donnerstag 27. April 2017, 22:38

Meine Stimme wird dumpf in meinen eigenen Ohren und tritt in den Hintergrund, je mehr je länger ich weiter schreie. Und ich höre nicht auf. Immer wieder setze ich erneut an, wenn die Luft mich zu stoppen zwingt. Es ist alles was mir bleibt. In dem Verlust und Schmerz, der zermarternden Macht des Waldes, in der geschwächten Position in der ich mich befinde - es ist alles was bleibt. Also schreie ich weiter. Jeden Funken Verzweiflung, jeden Funken Wut und Schmerz, jeded einzelne Gefühl, so laut ich kann, so lange ich kann, ohne ein Ende in Sicht. Ich schreie.

Und es tut gut nachzugeben. Es tut gut meine Stimme so laut in meinem Kopf rauschen zu hören, dass wenigstens meine eigenen verzweifelten Gedanken verstummen. Ich will nicht aufhören. Ich will nicht zurück. Es gibt nichts zu dem ich zurückkehren kann. Ich will nicht die Trümmer betrachten die geblieben sind und meine eigene Schwäche, den Schmerz, die Leere, ich will es einfach nicht hören und sehen.

Ich will die Verzweiflung nicht spüren.

Und so schreie ich weiter, das Gefühl unerträglich in meiner Brust, schreie auch dann noch als mir der Kopf dröhnt und mein Hals schmerzt. Ich kann nicht aufhören. Ich kann es nicht.

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Daru » Donnerstag 27. April 2017, 23:09

Es passiert nichts. Weder hört sie auf zu schreien, noch gibt sie mir eine Erklärung für ihr Verhalten oder eine Antwort auf mein Flehen. Sie nimmt meine Entschuldigung nicht an, akzeptiert nicht meine Unzulänglichkeiten oder sagt mir, wie genau sie zu mir steht oder was sie in mir sieht. Keine meiner Hoffnungen bewahrheitet sich. Sie scheint nicht einmal meine Existenz anzuerkennen, schreit nur, immer und immer wieder aufs Neue. Ich schließe die Augen, weil es schmerzt, weil die Erkenntnis sich langsam einschleicht, dass wirklich etwas zerbrochen ist zwischen uns. Vielleicht hat es aber auch einfach nie etwas zwischen uns gegeben.

Mein Griff um ihren Körper bleibt jedoch weiterbestehen. Eigentlich möchte ich sie loslassen, doch kann ich es nicht, noch nicht. Ich kann die Hoffnung nicht aufgeben, kann nicht akzeptieren, dass all die Ängste der vergangenen Jahre sich nun doch bewahrheitet haben sollen. Denn was bliebe mir ohne sie? Nur der Tod.

„Hey Cleyo…“, sage ich mit brüchiger Stimme. Ich bin verzweifelt, an der Grenze meiner Kapazitäten, so wie ich es immer bin, wenn ich erkenne, wie leer und sinnlos meine Existenz doch ist, wie abhängig ich bin, von ihr und ihrem Wohlwollen. „Es tut mir leid, hörst du?“, frage ich zittrig. „Es tut mir leid, dass ich nicht da war. Dass ich mehr an mich gedacht habe als an dich.“ Ich ziehe die Nase hoch, denn sie beginnt zu laufen. „Ich…“, setze ich an, doch ein Kloß in meinem Hals will zuerst heruntergeschluckt werden. Er gibt mir Zeit, meine Worte zu überdenken, auch wenn das nicht bedeutet, dass irgendetwas Sinnvolleres oder Wohlüberlegteres dabei herauskommen wird.

„W…Wenn du schreien musst, ist das okay… Lass es raus… alles raus.“ Ich beiße mir auf die Unterlippe, senke meine Stimme noch weiter. „Und dann, dann redest du mit mir, ja? Dann reden wir über alles, was du willst oder nicht willst.“ Ich zwinge mir ein Kichern über die Lippen. Es soll beruhigend wirken, verstört aber wohl eher. „Über Maheen und die Nichats und über Magie. Sogar über die Blutwölfe wenn du willst, auch wenn ich das nicht so mag. Aber ich hör zu! Ich hör immer zu.“ Meine Finger zittern, was ich durch ein Festigen meines Griffes zu verbergen versuche. „Und… und ich erzähl dir dann auch was. Von Freya. Das wollte ich eh, aber es kam immer etwas dazwischen.“ Der Hauch von Traurigkeit in meiner Stimme wird stärker. „So wie immer irgendetwas dazwischen kommt oder ist. Irgendetwas oder irgendwer. Am meisten ich selbst, schätze ich.“ Erneut stoppe ich, überlege, obwohl mein Kopf gar keinen klaren Gedanken mehr formen kann. „Entschuldige. Ich bin jetzt ruhig. Aber wenn du fertig bist… dann… dann reden wir, ja?“

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Steven Servain » Donnerstag 27. April 2017, 23:54

Mein Plan mich zurück zu halten, während Daru Cleyo beruhigt, mein Vertrauen darin, dass er schon wieder alles geradebiegt, stellt sich als falsch heraus. Wie so vieles heute. Und die Last dieser Verfehlung, dieser Fehinterpretation der Lage, drückt schwer. Drückt die anderen Lasten, die sich immer noch so nah an der Oberfläche befinden, noch nicht gesackt, noch nicht verarbeitet, tiefer in meine Empfindung und lässt mich zittern. Kein Zittern der Unentschlossenheit, keines des Versagens wegen. Eine Wut kocht in mir hoch die all die Umstände, all die Verfehlungen und Enttäuschungen packt, sie zusammenbindet, und meinen Verstand ausschaltet. Ich kann nicht mehr schlucken, nicht mehr atmen, ein Kloß hat sich in meinem Hals gebildet, der nicht bevorstehender Tränen herrührt. Es ist eine Wut, die sich immer schon in mir befand, die jetzt ausbricht und meine Hände ballen lässt. Eine Wut, die nicht nur aus den Momentanen Umständen herrührt, sondern tiefer geht. Sie hat sich aufgebaut seit ich meine Eltern verloren habe, mir nicht erklären konnte wieso, die immer ein stiller Begleiter meinerseits war. Eine Wut die ich jetzt loswerden muss.

Noch bevor ich weiß wie mir geschieht haben mich meine Schritte zu Cleyo und Daru hingetragen. Unsanft reiße ich Daru aus der Umarmung mit Cleyo. Nicht ungestüm. Nicht so, dass er hinfallen könnte. Nur so, dass ich Cleyos Gesicht sehen kann. Die Wut muss raus. Sie betrifft nur mich und mein Schicksal. Aber sie muss raus. Und noch bevor ich anfange zu schreien weiß ich, dass das die nächste Fehlentscheidung sein wird, die diesen sowieso schon dunklen Tag noch schwärzer scheinen lässt.

Hör auf zu schreien!“, meine Stimme ist laut, erzürnt, mein Blick scharf auf Cleyo gerichtet. „Ich ertrage das nicht! Du hast keine Berechtigung dazu!“, meine Wangen laufen rot an, mein Blick fixiert weiterhin den Cleyos. Sie hat keinen Grund zu schreien. Keinen Grund sich zu verlieren. Sie nicht. Und Daru auch nicht. „Ich sehe dich als Schwester, habe ich lange schon, werde ich wahrscheinlich auch immer, aber das was du gerademachst, so wie du dich Verhältst, dass ist deiner nicht würdig!“, ich weiß, dass Daru mich für den Schubser hassen wird. Mich verdammen wird. Vielleicht wird er mich sogar angreifen. Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich hätte er sogar das Recht dazu. „Du hast nichts falsch gemacht! Daru hat nichts falsch gemacht! Der einzige der sich hier irgendwas vorzuwerfen hat, der einzige der hier sinnlos rumschreien darf bin ich!“, immer noch ist meine Stimme laut, wobei sie zum Ende hin brüchig wird. So viele Emotionen strömen auf mich ein. So viele Bilder. „Ja! Dein Schicksal ist hart! Du bist aber nicht die einzige Person die von der Geburt an alleine ist! Du lässt dich nur als einzige davon auffressen!“, ich meine das was ich sage. Und ich bereue es nicht. Nicht in dem Moment in dem die Wut noch vorhanden ist. Indem sie noch kocht. „Also reiß dich zusammen! Und hör auf alle um dich herum als deinen Feind zu betrachten! Wir sind ein Team! Eine Einheit! Ich würde jederzeit mein Leben für dich geben! Hör auf immer herumzulaufen als wärest du alleine! Als hättest du niemanden! Ich habe hier meine Familie gefunden! Und auch du könntest, wenn du es endlich zulässt, deine finden!“, ich schaue sie an. Betrachte sie noch einen Moment. Dann drehe ich mich um, spucke Blut auf den Boden, das während des Schreiens meinen Hals erklommen hat. „Wir müssen hier raus! Und das als Team! Keiner von uns beiden wird dich hier alleine, schreiend zurücklassen! Also raff dich auf… Und lass uns gehen. So wie wir gekommen sind. Als Team. Oder schreie weiter. Aber glaube nicht, dass wir dich hier allein lassen. Niemals…“, meine Stimme bricht. Die Wut ist verklungen, so je, wie sie entstanden ist. Und mit ihrem Weggang kam die Traurigkeit zurück und breitet sich wieder in meinem Körper aus.


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