Die Insel Blewth

Das Königreich Kroth ist ein fruchtbares Land, dessen Mittelpunkt die Hauptstadt Gald ist.
Auch die athalische Inselgruppe gehört zum Lebensraum der Menschen. Eine dieser Inseln ist sogar der Stolz des Königreiches: die Insel Blewth.
Hier werden die berühmten Sprouts ausgebildet, jene Soldaten, die in den Raccukriegen das Reich vor den Dämonen bewahrt haben.
Kisenia_NPC
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Kisenia_NPC » Freitag 14. April 2017, 00:26

Von Feueraugen und Elfenmenschen

Es dauert nicht lange bis ein feines, gedämpftes Kichern an Irrals Ohren dringt. Schon der Laut verrät, dass der Besitzer dieser Stimme, einer weiblichen Stimme, ganz offenbar versucht das Kichern zurück zu halten - aber kläglich scheitert.
"Durch zureden wirst du deinen Schmuck nicht wieder bekommen."
Ihre Stimme ist leise und unaufdringlich, ganz so, als würde sie in den Wald hinein gehören. Wie ein Flüstern im Wind, ein Rascheln in den Blättern. Wenn Irral sich umdreht, erkennt er jedoch zunächst nur die üblichen Sträucher und Bäume, bis das Herabziehen einer Kaputze einen blonden Haarschopf sichtbar werden lässt. Die junge Frau schmunzelt noch immer sanft, während sie nahezu mit den Büschen zu verschmelzen scheint. Grüne Kleidung und grüne Muster im Gesicht, die Lücken in der Rüstung beinahe wie das Lichtspiel in den Blättern.
Als sie näher tritt erkennt er sie wieder: Das war die Gestalt welche er von den Bäumen aus hatte sehen können und jetzt ist auch deutlich weshalb die Bewegungen Irral so vertraut vorkamen, denn die Fremde bewegt sich leicht für einen Menschen, grazil und for allem anderen unglaublich leise.
Elfisch. Aber wie kann das sein?
Vor Irrals Augen sinkt sie in die Knie und streicht die untersten Blätter des Busches sachte zur Seite. Dahinter kann der Elf eine große Wurzel und einen darunter hindurch führenden Durchgang erkennen.
"Es ist längst fort."

Daru
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Daru » Freitag 14. April 2017, 01:10

Die meiste Zeit des Tages verbringe ich damit, meine Umgebung zu beobachten, sei es nun das Fließen großer Menschenansammlungen, um mich sicher durch sie hindurchzubewegen oder die kleinen Regungen ihrer Gesichter und Körper, um Ärger aus dem Weg zu gehen und abzuschätzen, wie sich bestimmte Situationen entwickeln könnten. Stevens Gemütszustand ist in dem Moment, in dem ich meinen Blick auf ihn lege, bereits ein offenes Buch für mich. Ich erkenne, dass ihn das Geschehene beschäftigt, dass es ihn ganz offenbar irgendwie getroffen hat, was geschehen ist.

Aber mehr wage ich nicht zu interpretieren. Zu oft schon habe ich spüren müssen, wie anders die Menschen doch im Vergleich zu mir sind. Jedes Mal wenn ich glaubte, eine vertraute Emotion in einem von Ihnen zu erkennen, zeigte er mir im nächsten Moment wie falsch ich doch damit gelegen hatte. Sie messen mit einem anderen Maß, bewerten die Welt auf eine mir fremde Weise. Natürlich weiß ich, dass ich derjenige bin, der aus der Reihe fällt, der nicht normal ist. Doch es ändert nichts daran, dass ich mit ihren Anschauungen nicht zurechtkomme, denn ich kann mich nicht ändern, könnte meinen eigenen Anblick nicht ertragen, wenn ich den Dingen so gegenüberstünde, wie sie es tun. Es ist eine meiner größten Ängste, irgendwann eine dieser verhassten, unbegreiflichen Seiten an Cleyo zu finden. Ihre Existenz und die Tatsache, dass ich mir einbilde, sie sei nicht so wie die anderen, sei näher an mir als an ihnen, ist nämlich der einzige Grund, warum ich diese Welt nicht in ihrer Gänze ablehne.

Von Steven weiß ich, dass er in mein Bild von den Menschen passt. Er ist genau wie sie, genauso „normal“. Als ich damals von Darneeis erfuhr, hatte ich für einen kurzen Moment Hoffnung geschöpft, dachte, er könnte vielleicht in den wichtigen Punkten die richtige Einstellung an den Tag legen. Doch recht schnell musste ich erkennen, dass dem nicht so war, dass er meinen „hohen Ansprüchen“ nicht genügte. Die gemeinsam durchgeführten Aufträge potenzierten diesen Eindruck nur noch.

Entsprechend skeptisch stehe ich seinen Tränen gegenüber, den gebrochenen Worten, der Entschuldigung. Wer weiß welche selbstsüchtigen Motive sich dahinter verbergen? Er mag denken, dass er ein mitfühlender Mensch sei, dass sein Verhalten ein Zeichen für das Gute in ihm ist, doch kann ich ihm beinahe garantieren, dass in meinen Augen das Gegenteil der Fall ist. Er ist so, wie sie nun einmal alle sind. Nur Cleyo ist anders. Ihr traue ich eine solche Selbsttäuschung nicht zu. Sie sieht die Dinge wie sie sind und nennt sie beim Namen, auch wenn es um sie selbst geht. Das ist ihre Reinheit, das ist das Licht, das ich in ihr sehe, das in grau gehüllte Weiß inmitten einer tiefen Schwärze.

Natürlich kann ich all diese Empfindungen, insbesondere in Bezug auf Steven, nicht nach außen tragen. Die Situation ist bereits verfahren genug und er, gerechtfertigt oder nicht, versinkt gerade in Selbstmitleid. „Hm“, gebe ich hörbar von mir, denn obwohl ich nicht weiter auf ihn einschlagen will, seine Nützlichkeit nicht noch weiter beeinträchtigen, kann ich ihm keine Absolution erteilen. „Wir müssen weiter“, sage ich erneut, getrieben, fast schon gehetzt, weil ich fürchte, dass mich jede weitere Sekunde des Wartens den Selbstzweifeln wieder näherbringt.

Als ich versuche aufzustehen, bemerke ich, was ich die letzten Minuten gar nicht mehr wahrgenommen habe: Cleyos schlafenden Körper und meine eigene Erschöpfung. Die wohlige Wärme meiner Zimmergenossin muss meine Sinne betäubt haben. Die erste kleine Bewegung jagt ein starkes Brennen durch meine Schenkel und lässt mich angestrengt das Gesicht verziehen. „Haben wir nicht irgendetwas bei uns, mit dem wir sie aufwecken können?“, frage ich und bleibe weiterhin auf dem Hosenboden sitzen, denn in diesem Zustand kann ich unmöglich mein eigenes Gewicht und das Ihre tragen.

Irral Sol
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Irral Sol » Freitag 14. April 2017, 01:18

Ich zucke zusammen als ich, auf allen vieren, bereit in das Gebüsch kriechend, eine weibliche Stimme vernehme. Nicht, dass ich immer so schreckhaft wäre, jedoch war ich mir sicher, dass keinerlei lebendes Wesen, von menschlicher Größe, in der Umgebung vorzufinden war. Fangen jetzt sogar meine Augen und mein Gespür an mich zu trügen? Während ich mich ruckartig wieder aufrichte wandert mein Blick zu der Quelle der Stimme, die sich anscheinend über mein Gebaren zu amüsieren scheint. Natürlich war mir klar, dass einfaches zureden bei den meisten Geschöpfen dieses Planeten keinen Sinn hat. Bei Menschen zum Beispiel. Meine Augenbrauen senken sich während mein Blick die Quelle der Stimme fixiert. Ein Mensch, weiblich, blond. Wie konnte sie sich in meiner unmittelbaren Umgebung aufhalten, ohne dass ich sie bemerkt habe? Selbst Elfen ist das nur in den seltensten Fällen und nur mit gewissen Fähigkeiten möglich. Mein Argwohn gegenüber ihr, dass schon alleine aus dem Grund vorhanden war, dass sie ein Mensch ist, steigt. Sie kommt mir einige Schritte entgegen und ich begreife wer dieser weibliche Mensch vor mir ist. Der Schatten der vorhin an mir vorbei geglitten ist, fast verschmolzen mit der Natur, fähig sich genauso grazil zu bewegen wie es nur die Elfen können. Auch jetzt noch wirkt sie wie ein Teil des Waldes auf mich. Unbegreiflich, dass ihre Ohren so hässlich menschlich sind. Und trotzdem hat sie es geschafft meine Aufmerksamkeit zu wecken.

Sie beugt sich runter zu dem Gebüsch und offenbart damit den Fluchtweg, den dieses diebische Geschöpf dieses merkwürdigen Waldes, der auch noch suspekte Personen beherbergt, genutzt haben muss. Fast schnaufe ich. Doch mein Verhalten passt sich der Gegebenheit an nicht mehr alleine zu sein. Kontrolliert, jeden Muskel, selbst die im Gesicht kontrollierend. Das der anscheinende Verlust meines Kopfschmuckes mir ein flaues Gefühl im Magen bereitet und meine langen Haare, mir nerviger Weise immer wieder die Sicht versperren, blende ich aus und lasse es mir auch nicht ansehen. Wie kommt es nur, dass sie auf mich so Elfisch wirkt? So abnormal? Niemals wie einer dieser Menschen. Auch das Stirnrunzeln verbiete ich mir noch bevor mein Körper den Befehl schickt. „Guten Tag“, sage ich förmlich zur Begrüßung. Sie scheint von solch einfach Floskeln keine Ahnung zu haben. Vielleicht hat der Wald sie ihr ausgetrieben. In diesem scheint es sogar schlimmere Geschöpfe als die Menschen zu geben. Diese diebische kleine… „Das ist…“, ich greife nach oben und streife mir meine Haare die mir vor den Augen hängen hinter die Ohren, „Schade.“ Sehr schade sogar. Doch das wird sie nicht interessieren, das hat sie auch gar nicht zu interessieren. Trotzdem würde ich meinen Haarschmuck gerne wiederhaben.

Immer noch liegt mein Bogen in meiner Hand, die Sehne nicht mehr gespannt, der Pfeil wieder locker. Ich habe immer noch eine Aufgabe zu erfüllen. Niemals wäre ich davon ausgegangen, auf so viele Komplikationen zu stoßen. Was hat sich Nikov nur dabei gedacht uns in diesen Wald zu schicken, ohne genauere Details zu den Zielen zu geben. Hier habe ich auf jeden Fall noch keine gesehen. Sonst hätte ich diesen… Wald… längst wieder verlassen. Auch wenn ich die Bäume und die Natur um mich herum liebe, empfinde ich die Fremdartigkeit des Waldes immer noch als seltsam. Ich werde mich schon dran gewöhnen. „Mein Name ist übrigens Irral Sol“, sage ich noch mit einer leichten Verbeugung. Roan wird von all den Missgeschicken von mir nichts erfahren. Sein Lachen über meine Person könnte ich nicht auch noch ertragen. Ihr verzeihe ich das… ausnahmsweise.
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Steven Servain
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Steven Servain » Freitag 14. April 2017, 11:28

Ich taste die meine Augenregion ab, immer noch verborgen, immer noch gewillt diese Schwäche nicht zu präsentieren. Erst, nachdem ich merke, dass mein Gesicht wieder trocken zu sein scheint, nehme ich die Hände wieder runter und stehe wankend auf. Mein Körper ist noch angeschlagen, sehr sogar. Trotzdem wird es mir schon irgendwie möglich sein, weiter zu machen. Daru hat Recht mit dem was er sagt. Wir müssen weiter. Müssen einen Ausweg finden, versuchen die Prüfung, wenn auch geschwächt zu bestehen. Und wir müssen einen Weg finden Cleyo wieder soweit aufzupäppeln, dass sie zumindest wieder laufen kann. Ich muss nicht lange überlegen, wie wir es schaffen können, ein solches Wunder zu vollbringen. Ich greife in die Innentasche meines Oberteils und ziehe ein Amulett raus. Ein Amulett, das mir schon treue Dienste erwiesen hat. Es ist zum Vorteil, dass ich es nicht wie sonst angelegt hatte, sonst wäre seine Energie für heute schon verbraucht. Sonst hätte es mich geheilt, meine äußerlichen und innerlichen Verletzungen. Es ist ein Wunder, dass solch ein Amulett über so starke Fähigkeiten verfügt. Natürlich, auch ich würde von seiner Benutzung profitieren, wäre danach wieder freier in meinem Bewegungsspektrum und trotzdem… Bin ich in diesem Fall nicht wichtig genug.

Ich blicke Daru an und werfe es zu ihm rüber, immer noch versuchend meinen geschwächten Körper an die Bedingung zu gewöhnen, wieder arbeiten zu müssen. „Leg es ihr um“, sage ich leise, schaue bei den Worten wieder weg von ihm, meinem Symbol des Versagens. „Es wird sie Körperlich heilen, nicht aber Ätherisch… Doch es sollte reichen, fürs erste“, erkläre ich weiter, immer noch mit dem Blick in eine andere Richtung. Ich bücke mich, hebe meine beiden Schwerter auf und schiebe sie zurück in ihre Schwertscheiden an meinem Rücken. Cleyo zu heilen ist das mindeste was ich derzeit tun kann. Es ist kein Akt der Aufopferung, der mich dazu verleitet statt meiner sie zu wählen, eher ein Versuch die Schuld die immer noch in mir pocht zu schmälern. Auch wenn ich weiß, dass dies rein gar nichts ändern wird. Um diese Schuld zu schmälern muss ich besser werden, darf ich nicht mehr versagen.

Daru
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Daru » Freitag 14. April 2017, 12:05

Cleyo rumort in meinem Schoß. Scheinbar ist die aktuelle Schlafposition nicht mehr so ideal wie zuvor. Ich schaue auf sie herab und spüre, wie der Anblick ihres ruhigen, wehrlosen Körpers mein Herz schneller schlagen lässt. Für einen flüchtigen Augenblick verliere ich mich in der Friedlichkeit ihrer Mimik und bin froh, dass Steven die ganze Zeit über schon jeglichen Blickkontakt zu vermeiden sucht. Denn somit komme nur ich allein in den Genuss dieses ach so seltenen Anblicks, so wie es immer sein sollte, bisher immer war. Zumindest bilde ich mir das ein. Ein grausamer Gedanke zuckt durch meinen Kopf. Was, wenn ich es einmal nicht mehr bin? Was, wenn bereits jetzt jemand anderes diesen erlesenen Personenkreis betreten hat, ohne dass ich es mitbekommen habe?

Jellabell. Der Name hallt durch meinen Kopf. Ihr Betrug, die Verlustängste, die mich seither quälen. Sie lassen meine Finger tiefer in den Stoff von Cleyos Kleidung greifen, nicht so sehr, dass sie aufwachen könnte, doch stark genug, um mich ihrer Anwesenheit, ihrer physischen Präsenz zu versichern. Sie ist noch da. Meine Augen, Ohren und Haut sagen alle dasselbe und doch kann ich nicht anders, als mir auszumalen, wie es wäre, wenn sie es nicht mehr wäre. Wenn sie mich alleine ließe, so wie es alle bisher getan haben. Wenn sie…

Der Gedanke wird jäh unterbrochen als ein, mir nur allzu bekanntes, Amulett in mein Blickfeld eindringt und mit einem leisen Klatschen auf Cleyos Wange landet. Sofort fahre ich nach oben, doch Steven hat sich bereits wieder abgewendet. Schuldbewusst fasse ich die Kette des Gegenstands und hebe ihn von Cleyos Gesicht. Ich hätte besser aufpassen sollen!, tadele ich mich und betrachte mir die leichte Rötung auf der Haut meiner Kameradin.

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Nibra Orbril » Freitag 14. April 2017, 23:33

Langsam schreite ich an die Trainingsplätze heran. Es war nicht schwer auszumachen, der Ort an dem sich die Lanzenkämpfer treffen. Trotzdem bin ich, wie ich feststellen muss, zu spät. Es herrscht schon Bewegung vor den Trainingspuppen, welche anscheinend geleitet wird von einem Mann. Zumindest ist er der einzige, der nicht aussieht, als würde er verbissen versuchen die Lanze geschickt zu führen, sondern motivierende Worte und Anweisungen herumbrüllt. Ich fühle mich deplatziert. Immer noch, für immer. Doch das hier ist die einzige Lösung. Ich war schwach als ich weggerannt bin, habe mich nicht meines Stammes entsprechend Verhalten. Doch das lag nur daran, dass ich Rache will. Die Köpfe der Verräter aufgespießt auf meinem Sperr. Und das war zu der damaligen Zeit nicht möglich. Es wäre Ehrenvoll gewesen zu sterben, so wie meine Familie, jedoch spuck ich auf Ehrenvoll, zumindest für den Moment. Vielleicht erhänge ich mich nach meiner Rache um die verlorene Ehre wieder zu erlangen. Was weiß ich. Sicher ist, dass es mir nach Blut gelüstet, jetzt gerade und jedes Mal wenn ich in Erinnerungen an die größte Niederlage meines Lebens schwelge. Ich bin es nicht anders gewohnt. Ich muss aufpassen. Vor allem hier. Ich bin es gewohnt im Kampfesrausch zu töten, da wir kämpften nie zu Übungszwecken. Ich vermute jedoch, dass es hier anders zu geht und tote Anwärter nicht gerne gesehen werden. Sehr schade, vor allem jetzt, an diesem Tag, der schon so schlecht verlaufen ist.

Ich bin vor etwa einer Stunde mit dem Schiff angekommen. Mir wurde direkt bewusst, dass ich hier nicht hinpasse. Grüne Landschaften und Bäume soweit das Auge reicht, ekelhaft. Die Berge Südwestlich des Schlosses gefallen mir schon um einiges mehr. Ich bin gewohnt zu klettern, in höheren Regionen zu leben. Die Luft hier unten ist mir zu dick. Vielleicht klaue ich mir irgendwann ein Zelt und campiere statt in dem Zimmer, dass mir diese komische, schnöselige Frau an der Rezeption zugeteilt hat. Generell sind hier meines Erachtens viel zu viele Menschen. Wieso verboten wird die eigenen Reihen auf ein erträgliches Maß zu reduzieren ist fragwürdig. Man lernt doch viel mehr, wenn man sich dessen bewusst ist, dass man stirbt, wenn man versagt. Der stärkere gewinnt, so ist es und so war es schon immer. Ich bin gespannt auf die Fähigkeiten die die Elite dieses Schlosses innehaben. Sie werden stärker sein als ich, wahrscheinlich sogar viel stärker. Ich kenne mich bisher nur vorzüglich mit dem Kampf mit der Lanze aus, habe nie gelernt mit Äther umzugehen. Gerade deswegen hat mich mein Weg auch hierhergeführt. Um zu lernen so stark zu werden, dass ich sie alle ausrotten kann, töten kann, dieses ehrenlosen Verräter…

Ich nähere mich der Gruppe und bleibe vor dem stehen, der die Kommandos rumschreit. Keine Verbeugung wie bei Menschen zu üblich, kein einschleimen, keine Worte der Hochachtung. Auch er ist nur ein Mensch. Stärker vielleicht als ich, aber nur ein Mensch. Und ich werde für niemandem kriechen, mich nirgendwo einschleimen. Ich werde nicht gewöhnlich. „Ich bin dir zugeteilt, schätze ich“, sage ich harsch und schaue ihm in die Augen, die einem so viel verraten können. Bist du mit meiner Begrüßung Unzufrieden, bekämpf mich doch, leicht werde ich es dir nicht machen. Und sei dir gewiss, dass ich bei mir überlegenen vielleicht vergesse, dass ich hier nicht töten soll. Meine Lippen verformen sich zu einem breiten Grinsen. Ich weiß, dass ich auf Männer attraktiv wirke, selbst mit der im bräunlichen Ton angemalten Kreuz in meinem Gesicht. Es gehört zu mir. Seit ich erwachsen bin male ich es mir jeden Morgen ins Gesicht. Es ist das Zeichen meines Stammes, meiner Zugehörigkeit.
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Kisenia_NPC » Samstag 15. April 2017, 09:59

Rahih

"Eine andere Rasse?", fragt Rahih verblüfft und scheint darüber nachzudenken, auf welche Rasse sich ein Mensch einlassen müsste um solche Augen zu bekommen. Natürlich gibt es Mischwesen, etwa durch Mensch und Elf und auch Verbindungen zwischen Zwergen und Menschen soll es schon gegeben haben. Doch das sind natürlich nicht die üblichen Missgestaltungen, die dabei heraus kommen. Ihr fällt nur eine Rasse ein, deren Erbanlagen etwas derartiges verursachen könnten. Aber Rahih spricht den Gedanken nicht aus, da sich etwas derartiges nicht rum sprechen sollte, wenn das zufällig korrekt ist. Rahih und Kiara passieren Bäume, Wurzeln, Äste und Felsen. "Wo wachsen Dunkelkraut, Preste und der andere Kram?", fragt die Schwertkämpferin um das Thema zu wechseln. Kiara, als Alchemistin weiß natürlich wo diese wichtigen Kräuter wachsen. Viele wichtige Medikamente basieren auf diesen Zutaten. Dunkelkraut hat seinen Namen, weil es oft im Schatten von hohen Bäumen oder Felsen in feuchtem Waldgrund wächst. Es gibt einen See tiefer im Wald. So tief, dass sich Anwärter besser nicht dorthin begeben sollten. Preste wächst auf Lichtungen innerhalb des Waldes, falls es nicht von Wildtieren zertrampelt oder gefressen wird. Es hat kleine, blassgrüne Blätter und schmeckt sehr bitter, wenn man darauf kaut. Minze besitzt ein spezielles, charakteristisches Aroma und wird auch in vielen Küchen von Athalia verwendet. Die Büsche der Minzepflanze können leicht eine halbe Mannshöhe erreichen und tragen Blüten. Kürch ist eine Art Wurzel, die sich über den Kontakt mit Blubbern oder felligen Tieren vermehrt. Sie besitzt eine raue, grobe Schale und ihre Blüte ragt bis zu einer Handlänge aus dem Boden. Sie hat ein süßes, frisches Aroma wenn man ihren aufgeschnittenen Kern isst.

Die meisten Sprouts kennen sich gut im Wald aus und im Rahmen der Alchemisten-Ausbildung haben die Sprouts gelernt, wo die wichtigsten Kräuter im Umland verbreitet sind. Aus Wald hallen mittlerweile ein paar Geräusche des Kampfes. Scheinbar sind Anwärter auf Tiere getroffen.

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Veyrne Ibga » Samstag 15. April 2017, 10:11

Meine Hand hebt sich irritiert zu meiner Schläfe. Gerade als ich auf dem Weg in den Keller des Schlosses war, vernehme ich etwas eigenartiges und seltsames. Mein Herz beginnt zu klopfen, da ich kurz einen Anfall oder ähnliches befürchte. Dennoch bemühe ich mich um Fassung, da andere Sprouts im Korridor sind, die nichts hören. Doch plötzlich klart die Stimme auf, die von den Mauern des Schlosses zu hallen scheint. Veyrne. Mein Name. Immer wieder Veyrne. Was ist das..? Nagt etwas an meinem Verstand? "Wenn das so ist, lass es nicht länger nagen. Ich höre es auch. Aber das mag daran liegen, dass wir uns beide in deinem Bewusstsein treffen." Ich habe natürlich schon von Kriegern gehört, die durch ihre Taten und Erlebnisse auf dem Schlachtfeld den Verstand verloren haben. Die das Gefühl bekommen haben, die Geister ihrer Opfer würden sie verfolgen oder die Hinterbliebenen würden wegen ihnen Hunger leiden müssen. Krieg ist nichts für sensible Gemüter. Doch mein Gewissen hat sich bis heute nicht allzu stark eingemischt. Warum kenne ich diese Stimme? Ist das vielleicht Magie? "Das können wir nicht ausschließen." Ich sehe mich besser etwas um. Doch muss ich mich hüten. Innerhalb dieses Schlosses sind auch Gestalten, die sich anschicken hier die Fäden zu ziehen. Menschen wie diese Magierin, die um Freya herum schleicht, habe ich nicht vergessen. Und ich kann nicht ausschließen, dass es Teil einer Falle ist. Doch vielleicht entdecke ich einen möglichen Ursprung. Magie hat einen Anwender.
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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Kiara » Samstag 15. April 2017, 20:13

Rahihs nachdenklicher Gesichtsausdruck amüsiert mich zunächst. „Mach dir keine Gedanken!“, lache ich, „Es ist nur eine Geschichte.“ Mit einer wegwischenden Bewegung der Hand erkläre ich das Thema für beendet, doch um ehrlich zu sein, beginne nun auch ich über das gerade Gesagte zu sinnieren. Bisher habe ich die Erzählungen nie hinterfragt oder genauer unter die Lupe genommen. Sie waren für mich immer das gewesen, was sie auch für meine Brüder, Eltern und Großeltern immer waren: scherzhafte Anekdoten, die wir Fremden erzählen, um uns über ihre verdutzten Reaktionen lustig zu machen, einem schiefen Blick, meist gefolgt von einem zaghaften, dann herzhaften Lachen.

Rahihs Reaktion jedoch war anders, unerwartet, verunsichernd. Vielleicht ist sie einfach nur etwas Besonderes? Oder kann es sein, dass alle vor ihr einfach nur zu höflich oder zu sehr von mir oder meiner Familie eingeschüchtert gewesen sind? Ihre Frage bezüglich der Kräuter kommt mir ganz gelegen, um das Thema nun auch für mich zu beenden. Darüber zu grübeln bringt sowieso nichts, nicht in dieser Situation. Vielleicht später, wenn ich Ruhe habe, vielleicht aber auch nicht, weil ich das Gefühl habe, dass ich mich dann zwangsläufig mit Fragen beschäftigen müsste, die ich bisher immer unterdrückt habe.

„Wie gesagt“, setze ich an, um ihr deutlich zu machen, dass ich ihr die Informationen im Grunde schon zuvor gegeben habe. Womöglich hat sie sich so sehr an meinem „Scherz“ aufgehalten, dass sie es nicht mitbekommen hat. Ich bin ihr nicht einmal böse, nicht nachdem was mir gerade durch den Kopf gegangen ist. „Kürch und Minze habe ich in der Nähe eines kleinen Wassertümpels gesehen. Kein Badewasser, aber eben Anlaufstelle für viele Tiere und Monster.“ Um mich nicht komplett zu wiederholen, füge ich ein paar neue Informationen hinzu. „Dunkelkraut wächst an schattigen Stellen. Ganz bekannt ist ein See tiefer im Wald. Man findet aber auch vereinzelte Stellen in der Nähe des Gebirges. Das Regenwasser von den Steinen sorgt für die nötige Feuchtigkeit. Ich würde es dir überlassen, wo wir dort hingehen. Der See ist sowas wie eine Sperrzone für Anwärter, also…“ Ich mache eine kurze Pause, um deutlich zu machen, dass es gefährlich werden könnte.

Anschließend verfalle ich in einen kurzen Moment des Nachdenkens. Ich bin zugegebenermaßen niemand, der sich besonders mit seinen Berufungen identifiziert. Daher muss ich doch recht tief in meinen Erinnerungen kramen, um mich an bestimmte Informationen zu erinnern. „Ah ja!“, sage ich, als mir wieder einfällt, was ich gesucht habe. „Prestel findet man auf Lichtungen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass wir dann den Anwärtern in die Quere kommen, ist recht groß. Auch hier bieten sich die kleineren Felsen am Rande des Gebirges als Alternative an. Wir müssten ein wenig klettern.“ Wie die ganze Zeit über schon, lenke ich unseren Weg weiter in Richtung der Wasserstelle, die wir sehr bald erreichen sollten.

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Cleyo » Samstag 15. April 2017, 21:01

Das Erwachen ist jäh und unangenehm - und es ist nicht gleich ein ganzes Erwachen, denn ich bin noch immer völlig ausgelaugt, meine Gedanken schwer und langsam. Doch da ist Schmerz. Wie kann da Schmerz sein? Spielt das eine Rolle? Vielleicht sollte ich einfach wieder schlafen....

Gerade als ich meine Entscheidung schon gefällt habe ist da noch eine Berührung und lässt mich müde blinzeln. Es ist nur ein Spalt, doch er reicht, um irgendetwas vor mir zu erkennen und mir im weiteren Erwachen des Schmerzes deutlicher bewusst zu sein. Wieso ist da Schmerz?

"Au....", murmel ich leise und hebe meine Hand, ohne jede Koordination oder nennenswerte Gescheindigkeit, um über die Wange zu reiben. Es sieht eher aus wie ein Besoffener der ziellos in der Luft fuchtelt und mit der Hand binnen Sekunden wieder abstürzt.
"Au... ", sage ich wieder.

Wieso tut alles weh? Wieso kann ich nicht schlafen? Ich will doch nur schlafen....
Ich starte neue, schlappe Bewegungen die nichtmal did Hälfte ihres Weges beenden, um mich zusammen zu kauern.
Ich will nur schlafen...
Nur schlafen...

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Kisenia_NPC » Samstag 15. April 2017, 21:14

Raika

Die junge Frau lässt sanft das Blätterwerk zurück an seine Stelle sinken und richtet ein paar dünne Zweige, welche das kleine Tier auf seiner Flucht durcheinander gebracht hat. Erst dann steht sie wieder auf und sieht Irral an. Grüne Augen mustern den Elfen für einen Moment zwar ungeniert, jedoch unaufdeinglich und hinterlassen ein mildes Lächeln auf ihren Lippen.
"Du bist weit von Zuhause fort, Irral Sol", sagt sie ungeachtet der Unruhe die den Elfen seit seiner Ankunft herum treibt.
"Du bist neu."

Für einen Moment lässt die Fremde ihre Feststellung einfach im Raum stehen und geht leise um die Büsche herum ohne Irral eine Erklärung zu geben. Hat sie ihn jetzt einfach stehen gelassen? Doch dann kann Irral ihre Stimme hören.
"Du musst aufhören dich zu fürchten und beginnen zu verstehen. Ich kann dir helfen zu verstehen, doch dann musst du Raika folgen. Ich ... bin Raika."
Wenn er um den Busch herum geht, kann er die junge Frau auf dem Boden hocken sehen, direkt über ein paar Spuren im Boden.

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Irral Sol » Samstag 15. April 2017, 21:32

Fast schon Perplex stehe ich da, lausche den Worten dieser mir unbekannten Spezies, die dem Menschen so sehr ähnelt und weiß für einen kurzen Moment kaum etwas mit mir anzufangen. Wäre ich ein Mensch, so würde mir genau jetzt der Kopf platze. Was ist das nur für ein Tag? Ich war auf ein paar neue Einflüsse gefasst, wusste, dass sich mein Leben ändern würde, aber derart drastisch? Erst Roan, dann ein Mensch als Lehrmeister und jetzt sie, die so menschlich wirkt, jedoch weit weg von dem ist was ich für einen Menschen halte, viel weiter sogar als es Roan ist. Für mich fühlt es sich fast so an, als würde ich meiner Lehrerin zuhören, die mir in jungen Jahren alles über die Natur beizubringen versucht hat… Über unsere Natur. Und doch ist ihr Aussehen so menschlich… So Flachohrig. Hätte ich nur Orchelikons Fähigkeiten, so würde ich gewiss die Zeit zurückspulen und mich so programmieren, dass ich nicht auf Roan und auch nicht auf diese Raika treffe. Vielleicht wäre dann alles normal. Vielleicht würde dann alles so ablaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das hier gerade ist sogar für mich an neuen Einflüssen zu viel. Es ist, als würde ich urplötzlich verlernen zu sprechen, so sehr war ich von dem Glauben meines Idealbildes des Menschen überzeugt. Und jetzt benehmen sich mehr als die Hälfte dieser Menschen Grundverschieden, differenziert, eine sogar Elfisch.

Ich folge ihr, beinahe. Dann schießt mir etwas durch den Kopf, etwas Wichtiges, das ich für einen Moment vergessen hatte. Und ich fühle mich schuldig. Ich habe hier eine Aufgabe zu erledigen, eine Mission. Ich bin nicht hier um einer Wildfremdem und merkwürdigen Spezies zu folgen und ihr zur lauschen. Trotzdem ist da dieses Interesse. Diese Lust ihr weiter zuzuhören, zu versuchen sie zu analysieren. Eine Neugierde die ich schon als Kind gezeigt habe, die mein Vater versucht hat mir auszutreiben. Was soll ich tun? Dieser Person folgen, die es gewagt hat, so elfisch sie auch sein mag, mich ängstlich zu nennen? Oder meinen Auftrag erfüllen? Meine Neugierde stillen oder mein Interesse verfolgen. Es ist suspekt. Vor noch vier Stunden hätte diese Diskussion in meinem Kopf nicht stattgefunden. Für mich wäre klar gewesen, dass ich meine Pflicht zu erfüllen habe, dass ich mich während der Ausübung dieser Pflicht nicht ablenken lassen darf. Was hätte mein Vater gesagt, wenn ich während des Lernens anderen Interessen nachgegangen wäre… Vielleicht hätte er gar nichts gesagt. Wahrscheinlich wäre er nur enttäuscht gewesen.

Ich gehe ihr nach, ein paar Schritte, bleibe hinter ihr stehen und räuspere mich leise. „So gerne ich ihrem Angebot auch folgen würde, habe ich eine Pflicht zu erfüllen. Ich bedarf keiner Lehrstunden während ich mich schon direkt in einer befinde“, erkläre ich. Es fällt mir schwer, schwerer als es mir eigentlich fallen dürfte. Meine Antwort ist richtig, sich wenigstens zu entschuldigen war wichtig. Und trotzdem wirkt sie, diese Raika, so Fremd auf mich, dass ich mich ihr verbunden fühle. Ich fühle mich fremd, seit meiner Ankunft fühle ich mich allein. Ein Gefühl, dass ich kenne. Ich fühlte mich oft allein als Kind, in den Stunden des Lernens, hatte ich selten Gesellschaft. Und sie ist, auch wenn sie ein Mensch zu sein scheint, einer Elfin Nahe. Für die Momente mit ihr fühlte ich mich fast wieder wie zuhause. Doch bin ich das nicht mehr. Es war meine Entscheidung. Ich muss dafür sorgen, die Schuld unserer Familie hier auf Blewth abzuleisten. Mir darf nichts dazwischen kommen…
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Daru
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Sekundärklasse: Bogenschütze

Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Daru » Samstag 15. April 2017, 21:40

Mit einem warmen Ausdruck in den Augen und immer noch heißen Wangen beobachte ich Cleyos Reaktionen auf das kleine Malheur mit dem Amulett. In jenem Moment vergesse ich die Sorgen und die schlimmen Erinnerungen. Ich vergesse meine Zweifel an meinem Platz in ihrem Leben. Ich kann nicht anders, als zu beobachten, wie sie verschlafen in die Luft greift und vor sich hinmurmelt, sich dreht und die Lider fester aufeinanderpresst, unwillens in die Realität zurückzukehren. Wie sie ihren Körper dreht, wieder in eine andere Position, auf der Suche nach einer Lage, die es ihr ermöglicht, weiterzuschlafen. Diese Unbeholfenheit und Ruhe. Sie erinnert mich an das neugeborene Nichat, dessen Entbindung ich vor einigen Wochen beigewohnt habe. Damals dachte ich, dass es unmöglich etwas noch Niedlicheres geben könnte, doch das, was ich jetzt spüre, sagt mir, dass ich mich geirrt haben muss.

Ein vielsagendes Lächeln liegt auf meinen Lippen. So vielsagend, dass jeder Beobachter es vermutlich korrekt zu deuten wüsste. Umso besser, dass Steven sich abgewendet hat und umso besser, dass ich mich nicht selbst sehen kann. Denn sonst würde ich mich vermutlich sofort selbst ohrfeigen, mich losreißen und wieder über meine Beziehung zu ihr nachdenken, sie sezieren, sie bewerten. Ich würde zu dem Schluss kommen, dass es falsch ist, was ich empfinde und tue. Dass es weder mir noch ihr auf Dauer guttun wird. Doch zum Glück ist die Situation so wie sie ist und nicht anders. Also lächle ich weiter und beobachte sie, genieße die Sekunden, in denen mein Kopf sich einmal nicht selbst hinterfragt, sondern sich nur auf die Schönheit vor sich konzentriert.

Dennoch muss auch dieser Moment unweigerlich zu einem Ende kommen. Die Realität kann nicht ewig ausgeblendet werden, so sehr ich mir das auch manchmal wünschen würde. Erneut denke ich an die Sphärenmagie und wie herrlich es doch wäre, wenn ich sie dazu verwenden könnte, mir eine eigene kleine Oase zu schaffen, in denen Augenblicke, wie der gerade, länger währen könnten. Ein Rückzugsort, abgeschottet von der grausigen Welt, abgeschottet von all den unbedeutenden Menschen. Ich weiß, dass auch das am Ende nur eine temporäre Illusion wäre, aber wenigstens hätte ich dann die Kontrolle und niemand sonst. Natürlich ist es müßig, jetzt darüber nachzudenken, denn Fakt ist nun einmal, dass hier und jetzt ein anderer die Fäden in der Hand hält. Wäre dem nicht so, würde ich Cleyo länger schlafen lassen und ihr dabei zuschauen, mit einem dümmlichen, alle Implikationen ignorierenden Grinsen im Gesicht.

Doch das geht nicht und so schiebe ich ihren Körper widerwillig nach oben, um ihr auf unbeholfene Art und Weise das Heilamulett um den Hals zu legen. Da meine linke Hand ihren Rücken stützt und ihr Kopf immer noch an meiner Brust ruht, schiebe ich die Kette zunächst über das mir abgewandte Ohr, ehe ich dann vorsichtig mit den Fingern die andere Seite richte, was erstaunlich lange dauert, da ich mich immer wieder in ihren Haaren verfange und frühzeitig abbrechen muss, um ihr nicht doch noch ein unangenehmes Erwachen zu bescheren. Nach Sekunden, die sich wie Minuten anfühlten, liegt das Amulett endlich an seinem Platz. Es sollte nicht lange dauern, bis es seine Wirkung entfaltet und diesen seltsamen aber auch intimen Moment zwischen mir und der verschlafenen Cleyo beendet.

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Kisenia_NPC » Dienstag 18. April 2017, 15:43

Rahih

Trotz der beschwichtigenden Worte von Kiara wirkt Rahih etwas nachdenklich. Es gibt natürlich einige ungewöhnliche Sprouts im Schloss. Espetin sind oft auffallend begabt in Bezug auf ihr ätherisches Potenzial, aber sie haben das oft mit mangelnder Kontrolle über ihre Kräfte in der Kindheit bezahlt. Diese Erlebnisse prägen diese Menschen oft und machen einige von ihnen zu eher instabilen Persönlichkeiten. Außerdem gibt es auch ätherische Mutationen, die dafür sorgen, dass das Äther ungewöhnliche Eigenschaften annimmt. Etwa Formen von Telekinese und ähnliches. Es heißt, dass das eigene Bewusstsein die ätherischen Ströme des Körpers vergiftet. Doch die Forschungen der Erzmagier sind in diesem Bereich nur sehr wenig fortgeschritten. Doch so gut kennt sich Rahih mit derlei Dingen nicht aus. Insgeheim ist ihr Gedanke bei der Fantasie an einen Mischling der Draela hängen geblieben. Sie weiß, dass diese Wesen viel unterschiedlichere Formen als die Menschen haben. Sie können den Körper eines Menschen und den Körper einer Spinne haben. Oder komplett wie ein wilder Greifenvogel mit Hörnern aussehen, weswegen eine alte Legende besagt, dass sie ein Volk aus fehlgeschlagenen Schöpfungen sind. Sie wurden missgestaltet und nie von ihrem Leid erlöst. Die Idee, dass ein Draela vollständig wie ein Mensch aussehen könnte, erscheint ihr plötzlich so nahe liegend und selbstverständlich. Vermutlich ist schon jetzt ein Wesen mit dreckigem Dämonenblut als Spion im Schluss unterwegs. Doch Kiara? Rahih blickt sie aus den Winkeln ihrer Augen an und schüttelt den Gedanken ab. Vielleicht ist es Naivität, aber nichts an ihr entspricht ihrer Vorstellung eines Spions aus Baraél. "Ich verstehe..", sagt sie schließlich auf Kiaras Erklärungen, wo all diese Kräuter aus dem Auftrag zu finden sind. Der tranceartige Zustand der Schwertkämpferin endet jedoch plötzlich, als sie auf etwas entsetzliches stossen.

Zwischen zwei Bäumen, die einen dunklen Schatten in diesen Teil des Waldes werfen, lehnt ein menschlicher Körper. Der Oberkörper ist dabei so schwer zersetzt, dass blanker Knochen aus dem Fleisch hervor sticht. In der nicht zersetzten Hälfte des Gesichts des Todes ist blankes Entsetzen geschrieben. Offensichtlich ist der Mann unter Qualen gestorben. Ein alter Bogen, vermutlich die Waffe eines Anwärters, liegt im hohen Gras. In seinem Köcher steckt ein einziger schlecht geschnitzter Pfeil. "Bei allen Göttern..", sagt Rahih leise. "Der Anwärter scheint ein Opfer von Blubbern geworden zu sein." Sie hält sich die Nase zu, als sie einen Schritt näher geht. "Widerlich..", sagt sie. Der Anblick ist nicht gerade appetitlich, da die Bauchdecke so stark verätzt wurde, dass die Eingeweide des Mannes nach außen treten. Doch etwas kommt Kiara seltsam vor. In ihrer Ausbildung zur Alchemistin hat sie mit der Säure, die Teil des Blubber-Körpers ist, untersucht. So schnell kann die Säure dieser Wesen den Körper eines Mannes nicht dermaßen stark verätzen. Die Bogenschützen sind nur wenige Momente vor den beiden in den Wald gegangen. Das muss etwas anderes sein.. Doch um das festzustellen gibt es zwei Möglichkeiten: Im Wald nach der Ursache suchen oder eine Probe der Substanz nehmen und im Schloss untersuchen. Rahih schaut vorsichtig in die Kronen der Bäume, da sich Blubber gern auf unvorsichtige Opfer fallen lassen, um sie in ihrer zähen, flüssigen Masse gefangen zu nehmen.

Heilung

Eine plötzliche Kraft und Energie schießt in Cleyos Körper, als das magische Amulett um ihren Hals gelegt wird. Ihre Muskeln gewinnen wieder an Kraft und sie fühlt sich revitalisiert. Einzig die Kopfschmerzen und ein Gefühl von ätherischer Ausgebranntheit bleibt bestehen. Von der Abgabe dieser Massen an ätherischer Energie wird wohl noch eine Weile schwer auf ihr liegen. Doch diese Ausgebranntheit hat auch einen Vorteil: Für den Moment bedrückt Cleyo diese schwere, ätherische Energie dieses seltsamen Waldes nicht mehr. Und für einen Moment haben alle die Gelegenheit kurz zu verschnaufen.

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Re: Die Insel Blewth

Beitragvon Kisenia_NPC » Dienstag 18. April 2017, 21:55

Eine unheimliche Begegnung (Freya)

Während Freya weiter versucht die tiefsten Geheimnisse der Bibliothek in sich aufzusaugen, nähert sich ihr von hinten eine Gestalt. Ihr Gesicht versteckt unter einer Kapuze, der Körper ummantelt von einem bis zu dem Boden reichenden Gewand. Würde man nicht wissen, dass Menschen zu gehen haben, um sich fortzubewegen, so könnte man bei dieser Person schwören, dass sie den Gang entlang schwebt. Kein Flattern des Umhangs, keine hörbaren Schritte. Eine unheimliche Atmosphäre geht von ihr aus. Feyt bemerkt die Person noch vor Freya und macht sie lautstark auf die sich nähernde Person aufmerksam. Wittert er Gefahr? Er steht jetzt direkt hinter ihr, die letzten Schritte schnell gegangen, noch bevor Freya Feyts Warnrufe zuordnen konnte. Doch kein Griff unter den langen Umhang folgt, keine aggressiv Offensive Bewegung. Er bleibt einfach stehen. Direkt hinter ihr, sie mit seiner unheimlichen Aura musternd. Freya kann kaum etwas hinter dem Umhang erkennen. „Freya…“, flüstert die Person mit einer rauen, männlichen Stimme. Es ist nicht zu erahnen ob ein gewisser Grad Vertrautheit in ihr steckt, Freya jedoch kann die Stimme nicht zuordnen. „Du bist in Gefahr… Freya“, flüstert er wieder. Wenn auch nur undeutlich, kann Freya eine Bewegung im Gesicht der unbekannten Person ausmachen. Hebt sich die Wangenmuskulatur der Person? Grinst er? Ein merkwürdiger Auftritt…


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